Trump hat Recht: Deutschland manipuliert Export – schon seit 1945

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen befinden sich am tiefsten Punkt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Donald Trump ist der erste Regierungschef der westlichen Welt, welcher sich ohne diplomatische Floskeln erlaubt, die wirtschaftliche Selbstherrlichkeit Deutschlands an den Pranger zu stellen.

Um den deutschen Emsigkeitsmythos ist es bald geschehen, wenn ein Land im Namen des freien Handels diese Freizügigkeit aushöhlt und durch unfaire Praktiken eine dominante Position auf dem Markt eines anderen Staates einnimmt.

Der US-Präsident macht wettbewerbswidrige Handelspraktiken mitunter Deutschlands für das US Rekord-Aussenhandelsdefizit verantwortlich. Deutschland wird direkt beschuldigt, den Wechselkurs des Euro zugunsten der eigenen Exporte zu beeinflussen und Güter unterhalb des Produktionspreises zu verkaufen.

Die USA sind nicht mehr bereit, hierfür als Absatzmarkt zu fungieren, und haben angekündigt, Zölle einzuführen, falls Deutschland Produkte zu Dumpingpreisen exportiert.

Die Antwort aus Berlin kam prompt. Schade jedoch, dass beim Kapitel „Zahlen und Rechnen“ Deutschland wenig Konkretes auf die amerikanische Kritik entgegnet.

Stattdessen zieht es seine Regierung vor, deutsche Stahlerzeugnisse nebst der Handelswarenrechnung noch mit einem Beiblatt über philosophisch-ideologische Grundsatzfragen zum freien Handel zu versehen.

Deutschland gebärdet sich nämlich neuerdings als Beschützer des freien Welthandels und lässt eine regelrechte Armada von Idealisten und Enthusiasten in der ideologisch gleichgeschalteten deutschen Presse über den Unhold aus dem Weissen Haus ausrücken.

Eine solche Debatte, die anstatt an Zahlen an Glaubensgrundsätzen ausgerichtet wird, ist besonders dafür geeignet, die Heuchelei zu verdecken.

Doch wen wundert’s. Für Deutschland geht es um eine existenzielle Frage, welche durch Trumps Vorstoss den Nerv der wirtschaftlichen Vormachtstellung berührt.

Je mehr der US-Präsident uns nämlich beweisen wird, dass nicht Deutschlands Kapitulieren im 1945 der Kern ist, sondern vielmehr das Katapultieren des grossen europäischen Landes, desto mehr riskiert Berlin, seine Glaubwürdigkeit in den Augen der Welt zu verlieren.

Das makroökonomische Musterland steht unmittelbar davor, als Plagiator entlarvt zu werden; womit auch die wirtschaftlichen Errungenschaften in ein zweifelhaftes Licht gerückt werden würden.

Aber was soll Deutschland bei wem abgeguckt haben?

Es sieht so aus, als ob eine Wirtschafts-Saga aus alten Zeiten zurückkehrt. Walter Fliess oder Gerhard Kreyssig fabulierten bereits 1943 über die Gründung einer Kohle- und Stahlgemeinschaft in Europa, welche Deutschland den Vorzug einräumen sollte, in Handelsbeziehungen zu Drittstaaten wie den USA oder der Sowjetunion unter europäischer Hoheitsflagge auftreten zu können.

Eine Vergemeinschaftlichung der Stahlindustrie würde, so aus damaliger Sicht, durch die Quotenverteilung der Produktionskapazitäten unterm Strich Deutschland eine höhere Stahlproduktion erlauben, als dies beim freien Treiben der Märkte auf dem Kontinent möglich würde.

Die Stahlerzeugung wäre so einerseits vom Rüstungswettlauf abgekoppelt, andererseits wäre eine deutsche Vormachtstellung durch ein europäisches Kartell bestens abgeschirmt.

Im Jargon der Zeit nannten die Wirtschaftsfachleute diesen Zug als einen Ausdruck des faschistischen Monopolkapitalismus.

Andere Experten aus der dunklen Vergangenheit wie Walter Funk, dem letzten Reichsbankpräsidenten, oder Herbert Martini erarbeiteten einen Plan zur Schaffung einer europäischen Währungsunion, basierend auf festen Wechselkursen, welche Deutschland die Versorgung mit Rohstoffen und Lebensmitteln in Europa zu stabilen Preisen erlauben sollte, jedoch gleichzeitig im Verhältnis zu anderen Wirtschaftsmächten durch ein ausgeklügeltes Subventionssystem die Ausfuhren konkurrenzfähig hält.

Kein Wunder, dass Donald Trump den protokollarischen Händedruck mit der deutschen Bundeskanzlerin durch solche Déjà-vus in Wirtschaftsfragen verweigert haben könnte. Zumal unmittelbar nach der Konferenz von 1943 in Teheran, obschon sich Deutschland noch mitten in Kämpfen befand, Berlin sich an die Pläne für eine wirtschaftliche Neuordnung Europas gleich nach dem Krieg gemacht hatte.

Unabhängig davon, wie der Konflikt enden würde, sollten die Wirtschaftspläne von einst fortgesetzt werden. Im Geiste der Verschleierung war es also nach dem Krieg lediglich nötig, zwei Freiwillige, vorzugsweise Franzosen, zu finden, welche das nationalsozialistische Wirtschaftsmodell in Fragen zur Vergemeinschaftlichung der Kohle- und Stahlindustrie den Europäern als Friedensprojekt verkaufen.

Die Wirkung hat es nicht verfehlt. Jean Monet und Robert Schumann haben Deutschland unter europäischer Hoheitsflagge in nie erahnte Höhen katapultiert.

Zweifelsohne wird dieser alte Konflikt, welcher nun nach über siebzig Jahren wieder aufflammt, an Schärfe zunehmen. Und er wird sicher auch an der Schweiz nicht spurlos vorbeiziehen.

Aus hiesiger Sicht könnte der US-Präsident recht haben. 2016 erwirtschaftete die Schweiz einen Überschuss in der Warenhandelsbilanz von rund 37 Milliarden Franken, mit der EU jedoch ein Handelsdefizit von 11 Milliarden Franken.

Das heisst, dass von fünf Franken, die im Ausland verdient werden, einer an Brüssel geht.

Obschon die Schweiz keinen Donald Trump hat, wäre somit die Frage auch hierzulande angebracht, ob der Franken tatsächlich überbewertet ist.

Oder ob nicht vielmehr seit fünfzehn Jahren der Euro durch Manipulation einen zu tiefen Kurs aufweist – was die Schein-Debatte über die schweizerische Wettbewerbsfähigkeit losgetreten hat.

Die Antwort darauf wäre vermutlich nicht weit weg von Trumps Ansatz.


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