Hanau-Attentat und die heimliche Unwillkommenskultur in Deutschland

Bevor der rechtsradikale Anschlag von Hanau, bei dem neuen Ausländer im Kugelhagel starben von der nächsten ausländer- oder judenfeindlichen Tat aus den Schlagzeilen verdrängt wird, sollten wir uns fragen, ob es eine Einzeltat von einem psychisch labilen Täter ist. Oder ob es sich um ein breiteres Phänomen handelt.

Die Zahlen sprechen für sich. Rund dreissig schwere Übergriffe mit Körperverletzung auf Ausländer – Beleidigungstatbestände nicht miteingerechnet – allein 2019. Hinzu kommen Vorfälle gegen jüdische Einrichtungen. Auch davon im Schnitt fünfzig im Jahr (2000-2009).

Angenommen es wären nur geistig verwirrte Täter, so müsste es bei einer gleichmässigen Verteilung der Straftaten, sich die krankenhausreifen Bösewichte auch sonst im Alltag bemerkbar machen. Da je nach Wahnvorstellung man nicht nur Ausländer als Zielscheibe hat. Fehlanzeige.

Nicht nur auf psychische Verfassung von Einzeltäter schauen

Da es an rechter Gesinnung – wie wir regelmässig erfahren – selbst in staatlichen Strukturen nicht gerade mangelt, sollte man bei der Ursachenforschung des jüngsten Anschlags nicht nur auf die psychische Verfassung eines Einzeltäters schauen.

Ob die skrupellosen Machenschaften des Verfassungsschutzes im NSU Prozess, Reichskriegsflaggensammler bei der Bundespolizei, dem letztjährigen vorweihnachtlichen Nazi-Skandal bei der Bundeswehr oder anonyme Drohschreiben von fünf Polizeibeamten gegen eine türkischstämmige Anwältin in Frankfurt etc., lediglich Ausdruck von Wahnsinn sind, wage ich zu bezweifeln. Bleibt spannend bei so viel übergreifenden Berufen zu erfahren, ob nicht noch rechtsradikale Lockführer, Feuerwehrleute oder Briefträger bald hinzukommen werden.

Mahnwachen näher betrachten

Deutsche Politiker und Pressestimmen äussern sich über die jüngste Bluttat sichtlich bestürzt. Die Bestürzung ist so gross, dass sie an mancher Stelle ebenso in Verwirrung endet. Ein treffliches Beispiel hierfür ist der Ansatz einiger Pressestimmen, beim Täter aus Hanau ein Mutterproblem zu erblicken und ihn mit anderen Tätern aus Norwegen oder Neuseeland, welche angeblich auch rockzipfelhängend waren, zu vergleichen.

Stimmt! In Muttis Land ist es naheliegend bei den Motiven gleich beim Buchstaben «M» anzufangen. Es würde mich nicht wundern, wenn demnächst die Klimaerwärmung für das Erhitzen der kranken Gemüter oder die Globalisierung als Erklärungsansätze ins Feld geführt werden.

Dabei wäre es doch sinnvoller die fast zu einer jeden Gelegenheit stattfindenden Mahnwachen im Dunklen, mal mit Fackeln, mal mit Kerzen etwas näher zu betrachten. Fast unbemerkt finden diese kultischen Prozessionen unter uns statt mitten in Europa.

Zeremoniell des Naziterrors

Auch andere Kulturen haben ihre archaischen Bräuche. Ähnlich wie mancherorts im Orient mit Gewehrsalven Freude aber auch die Bereitschaft zum Krieg ausgedrückt wird, sind die abendlichen Fackeln als heidnischer Brauch, mal Ausdruck von Freude und Anteilnahme, mal das Zeremoniell des Naziterrors.

Selbst die Plüschteddybären Verteilaktion als Willkommensgruss für Asylanten kann mich nicht umstimmen. Hierbei ist es weniger entscheidend, ob die Plüschtiere entflammbar sind oder nicht, sondern wie entflammbar eine ganze Gesellschaft durch kultische Handlungen insgesamt ist.

Es stellt sich die Frage, wieso es überhaupt dem aufgeblähten Popanz der Willkommenskultur, ausgetragen in endlosen TV-Debatten und durch umweltverschmutzende Fackelläufe zelebriert, bedurfte.

Deutschlands Ausländeranteil, ist prozentual nur halb so hoch wie jener der Schweiz. Mit knapp 12 Prozent Ausländer, wovon die Hälfte EU-Bürger ausmachen, kann die bundesdeutsche Politelite von einem inszenierten Propagandafeldzug nicht ganz freigesprochen werden.

Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Deutschlands, stellen die geflüchteten 750’000 Syrier und je rund 250’000 Iraker und Afghanen knapp 1.8 Prozent der Bevölkerung dar. Ihre Aufnahme so zu inszeniere um anschliessend in der EU auf ihre Umverteilung in andere Mitgliedsstaaten Druck zu machen mutet eher nach einer Studentenfeier eines Grandomanen, welcher als Gastgeber glänzen mag und gleichzeitig die Kollegen die Bratwurst von daheim mitbringen lässt.

«Kann kaum glaubhaft von Empörung sprechen»

Die Zahl geht nicht ganz auf, da ich ja die rund 1.5 Millionen Türken fast vergessen hätte. Mea culpa, denn damit hat Deutschland insgesamt rund fünf Prozent Muslime, welche in den Augen von etlichen Angehörigen der Sicherheits- und Ordnungskräfte wie verwirrter Einzeltätern die Manifestation von Angst vor Überfremdung durch Gewaltexzesse rechtfertigt.

Angesichts der zahlreichen Vorfälle, kann man kaum noch glaubhaft von Empörung sprechen. Dazu braucht es auch mal Ruhepausen, damit das menschliche Gemüt sich erholt und nicht abstumpft. Dauerempörung und nonstop Bestürzung gibt es nicht.

Ausländerpropaganda in der Süssholzgeraspelform

Was jedoch Ausländerpropaganda in der Süssholzgeraspelform bewirkt, ist für mich als früherer Asylant in Deutschland heute klar: Je pompöser nach Aussen die Handlungen der Flüchtlingsaufnahme und überzeugender die Partizipation an Trauermärschen nach dem Ausländerjagen ausfallen, desto mehr gehen in der öffentlichen Diskussion die tatsächlich mickrigen Prozente des fremdländischen Bevölkerungsanteils unter.

Vermutlich mit dem Zweck, dass man Deutschland in der Welt landläufig stets bemitleidet. Für normale Begriffe würde man meinen, dass bei so viel Zeremoniell die halbe Welt aufgenommen wurde. Propagandistisch jedoch, «mission accomplished», wenn man den grandomanen Studenten als besonders gastfreundlich ansieht und die halbe Welt «armes Deutschland ist überfremdet», heimlich denkt.

Geschichtlich gesehen wäre es nicht das erste Mal, dass man sich als Opfer sah und sich so verkaufte.

https://www.nau.ch/news/europa/hanau-attentat-und-die-heimliche-unwillkommenskultur-in-deutschland-65670186

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