Warum die Schweiz auf die Abhöraktion durch Crypto stolz sein sollte

Nachdem das imageträchtige Bankgeheimnis verbal enthauptet wurde, blieb ausser Schokolade, Uhren und Fonduekäse, wenig Prägendes für das Bild der Schweiz im Ausland. Statt auf den Erfolg stolz zu sein, an der Seite der mächtigsten Staaten dieser Welt wahrlich «gute Dienste» in Verbindung mit Spitzentechnologie erbracht zu haben, herrscht in der Schweiz eine an Heuchelei grenzende Selbstkritik.

Ausnahmsweise sind die Schlagzeilen im Ausland nicht über Steuerskandale oder Abstimmungen, worüber andere nur mit den Ohren schlackern, sondern über eine Glanzleistung im Bereich von Hightech und Informationsbeschaffung.

Allein an der zahlreichen und potenten Kundschaft, die immerhin über hundert Länder dieser Welt umfasst, erkennt man noch nicht den wahren Wert der swiss made Chiffriergeräte. Den tatsächlichen Mehrwert lieferte die gezielt eingebaute Hintertür für die CIA und dem BND.

Keine Beschwerdeseite oder Kundenrating in der Abhör-Branche

Im Hinblick auf das Erscheinungsbild der Schweiz über die Grenzen des Landes hinweg, erscheint es mir unwahrscheinlich, dass es einen negativen Einfluss haben könnte. Dafür spricht, dass die Käuferschaft dieser Geräte (Militär, Geheimdienste, Diplomaten) selbst nicht mit einem öffentlichen Image zu tun haben, welches durch das BND und CIA Schlupfloch ramponiert werden könnte. Sie agieren vielmehr diskret und schmücken sich nicht mit einem Chiffriergerät wie mit einer Rolex.

Weit schlimmer wäre es gewesen ein bestimmtes, als Schweiz typisches Dampfbadsystem weltweit zu vermarkten, welches in Hotelketten zum Erstickungstod von Gästen geführt hätte.

Aber eine Beschwerdeseite im Internet oder Kundenrating einer Branche, die lediglich eine kleine Nische darstellt, und selbst in der nachrichtendienstlichen Informationsbeschaffung tätig ist, gibt es nicht. Ausgeschlossen, dass ein abgehörter argentinischer General dazu eine Kundenbewertung abgibt, oder St. Moritz zum Skifahren meiden würde.

Keiner der Moralapostel, welcher dunkle Wolken über das Schweizer Image aufziehen sieht, kann behaupten, dass die Abgehörten selbst, davon nicht wussten und dank der Hintertür zum Schnüffeln, nicht lieber auf die vollständige Übermittlung einer Information an die CIA oder dem BND vertrauten, als auf sonst nachrichtendienstlich beschafften Informationsbruchstücken. Ganz zu schweigen von der bekannten Strategie, wenn in Kenntnis einer Abhöraktion der Belauschte den Informationskanal zur Desinformation von Freund und Feind nutzt. Die möglichen Szenarien sind so vielfältig wie die Käserezepte.

«Chapeau! Die kleine Schweiz hat richtig mitgemischt»

Weit schädlicher jedoch für das Image der Schweiz ist der überzogen kritische Umgang mit der eidgenössisch-amerikanisch-deutschen Kooperation bei der Herstellung von gezielt Lauschangriff unsicheren Chiffriergeräten. Staatliche Entscheidungsträger in den Abnehmerländern blicken eher mit Anerkennung und Bewunderung auf so eine Glanzleistung, als mit Skepsis. Chapeau! Die kleine Schweiz hat richtig mitgemischt.

Misstrauisch werden sie über die angezogene Handbremse der Schweiz sich zur Zusammenarbeit mit den einflussreichsten der Welt in einer friedensfördernden Aktion an einen Tisch gesetzt zu haben, zu bekennen.

Gewiss hat das geheimdienstlich geschulte und emanzipierte Klientel der Crypto AG an den Verschlüsselungsgeräten keine Erwartungen an informativer Keuschheit gehabt, welche selbst ein anderes Aushängeschild der Schweiz, bekannt für «gute Dienste», dem Roten Kreuz, wohl kaum erfüllt.

Vergleichbar mit dem Erfolg von Albert Einstein

Albert Einstein, dessen wissenschaftlicher Beitrag zur Quantenmechanik und der auf Quantensysteme beruhenden Informationsübertragung, sich heute kaum von der modernen Verschlüsselungstechnologie trennen lässt, musste hierzulande erst mit einer nicht bestandenen Schulaufnahmeprüfung, abgelehnten Dissertation und Habilitation kämpfen.

Man könnte meinen, dass die Schweiz mit dem Abhörskandal, aufgrund des stiefmütterlichen Umgangs mit Einstein, regelrecht vom Bumerang der Quantenmechanik eingeholt wird. Damit es nicht dazu kommt, sollte man mit ebenso viel Selbstbewusstsein und Festigkeit auf die Erfolge der Verschlüsselungstechnik blicken, wie auf einem Ihrer Vorreiter, Albert Einstein.

Wenn man der Schoggi einen positiven Beitrag zu einer friedlichen Stimmung nachsagt, dann sollte man was den Frieden betrifft, für die Chiffriertechnik den gleichen Grundsatz gelten lassen. Deshalb gilt für das Abhören das gleiche wie für das Käsefondue: alleine mit der Fonduegabel am Tisch macht es weder Spass noch Sinn.

https://www.nau.ch/news/stimmen-der-schweiz/warum-die-schweiz-auf-die-abhoraktion-durch-crypto-stolz-sein-sollte-65662256

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