Radu Golban über die Wortführer in Corona-Zeiten

Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass Covid-19 auch das Nervensystem angreift.

Der eingeschränkte Geruchs- und Geschmackssinn, so die US-amerikanische Fachzeitschrift für Biowissenschaftler, The Scientist, könnte mit befallenen Nervenbahnen vom Rachenraum zum Gehirn zusammenhängen. Weitere Schäden der Nervenbahnen im menschlichen Rechenzentrum seien somit nicht ausgeschlossen.

Wenn die Annahme zahlreicher Wissenschaftler, wonach eine Mehrzahl von uns bereits Träger des Virus sind, zutrifft, dann liessen sich zumindest die trendige Hysterie und das irrationale Verhalten durch die Erkenntnisse über die eingeschränkte Gehirnfunktion bestens erklären.

Eine solche Pathologie des Grippevirus wäre insbesondere bei Entscheidungsträgern gravierend, da eine glaubensunterworfene Mehrheit sich dann nach den Massnahmen von bedingt zurechenbaren staatlichen Akteuren richten müsste.

Absurde Szenarien zu befürchten

Tatsächlich haben nicht in Erich Kästners Schilda, sondern in der Schweiz Polizisten wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Grippebösewicht auf Alkoholtests im Strassenverkehr verzichtet. Es ist anzunehmen, dass die Ordnungshüter hier zugunsten der verschärften Hygienestandards auf die Linie der Alkoholdesinfektionsbefürworter eingeschwenkt sind.

Zu befürchten wären weit absurdere Szenarien, falls die Autoren der amerikanischen Publikation Recht haben sollten. Sind wir für die Situation gewappnet, falls der oberste Coronahüter, Dr. Daniel Koch, als ehemaliger Arzt beim Roten Kreuz im afrikanischen Dschungel aus heiterem Himmel Rudyard Kiplings Dschungelbuch neu aufsetzt?

Dieses Risiko ist erstmal gebannt, da er in Rente geht. Nachdem zahlreiche Politiker weltweit sich dazu entschlossen haben, die Verbreitung einer Krankheit, entgegen der Leitlinien der Medizin, an der Zahl der Infizierten anstatt an der Zahl der Erkrankten zu beurteilen, scheint das Entscheidungszentrum des Gehirns tatsächlich in Gefahr zu sein. Vermutlich wird sich auch damit die Wissenschaft auseinandersetzen müssen.

Zweifelsohne werden an den zahlreichen Kaderschmieden für die Akademisierung von Bürojobs und Gesundheitsmanagement helle Köpfe, der Wissenschaft verpflichtet, weitere Hygienerichtlinien konzipieren.

Erfreulich, dass diese neue glückliche, junge Bildungselite, den Steuermilliarden sei Dank, in vegan korrekter Form beim Reiskorn-Befragungsritual uns heute bereits über die Post-Corona-Zeit sinnierend wertvolle Ausblicke unterbreitet.

Corona-Influencer sind Wortführer

Da eine Corona-bedingte schwächere Gehirnfunktion nicht unmöglich ist, bedarf es, solange es nicht zu spät ist, auch der Mobilisierung ganzer Fussballmannschaften sowie von TV-Köchen und Unterhaltungskünstlern, um die heilsversprechende Anweisung «Bleiben Sie daheim und waschen Sie sich die Hände» möglichst effizient und breit zu streuen.

Wie Ballsport und Redegabe zusammenhängen zeigen die jüngsten Sportnachrichten ganz deutlich. Ein Lob geht überdies an die Corona-Influencerin Michel Hunziker. Ihr unermüdlicher Einsatz gegen die Pandemie verdrängt jedoch die sonstigen Spendenaufrufe für klimagebeutelte Orang-Utan-Babys.

Wir können uns damit trösten, dass namhafte Wissenschaftler auch nicht mehr zu Wort kommen: Dr. Wolfgang Wodrag, Prof. Dr. Suharit Bhakdi, Prof. Dr. Karin Mölling, Prof. Dr. John Ioannidis, Dr. Hendrik Streek, Prof. Dr. Stefan Hockertz, Prof. Dr. Walter Ricciardi, Prof. Dr. Peter Gøtzsche …

… Prof. Dr. Yoram Lass, Prof. Dr. Pietro Vernazza, Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Pablo Goldschmidt, Prof. Dr. Martin Exner, Prof. Dr. Giulio Tarro, Prof. Dr. John Lee …

… Prof. Dr. Dr. Richard Capek, Prof. Dr. Carsten Scheller, Prof. Dr. Eran Bendavid, Prof. Dr. Jay Bhattacharya, Prof. Dr. Maria Rita Gismondo u.a. teilen das Schicksal des Affenbabies Momo. Sendepause. Sie haben entweder den Fussball vernachlässigt oder sie tragen kein Dekolleté.

Kein Platz für Fachmeinungen

So ein Pech auch, ausgerechnet jetzt wollen Mediziner und Biologen, die man nur in Fachkreisen kennt, eine Hysterie durch wissenschaftliche Erkenntnisse eindämmen. Für sie hat es in einer nach Hygienestandards zensierten digitalen Welt ebenso wenig Platz wie für die Simpsons und ihre Corona-Serie von 1993 auf Facebook.

Politisch unkorrekte Ansichten werden entweder marginalisiert oder einfach aus dem virtuellen öffentlichen Raum gelöscht.

Sollten sich solche Persönlichkeiten denn die Fingernägel lackieren oder mit Yoga im Internet werben, damit man auch auf sie hört? Völlig korrekt, dass ihr Anspruch auf Gehör bei so vielen Studierten sich nach dem Gleichheitsgrundsatz unter Standesgleichen richten sollte.

Einen Ideenwettbewerb zwischen universitär geschulten Biologen und Medizinern zum einen und den pseudoelitären Medienabsolventen zum anderen braucht es daher nicht. Wozu auch? Wissenschaftliche Abhandlungen passen nicht ins Instagram-Format und daher sollen sie eine Gesellschaft von spirituellen Weltverbesserern nicht mit öden Schriften behelligen.

Wie sollten denn Grössen der deutschen Jurisprudenz sich an das Publikum wenden, damit Ihre berechtigte Befürchtung, dass man sich hin zum «faschistoid-hysterischen Hygienestaat» entwickelt, nicht unerhört bleibt? Sollte etwa der Göttinger Kirchen- und Verfassungsrechtler Hans Michael Heinig oder der frühere Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier «alle meine Entchen» auf Facebook singen, damit Ihre dringliche Warnung das Publikum nicht verfehlt?

Das Grüssen verrät etwas über den Zeitgeist

Die politisch korrekte Vertretung diverser Disziplinen bei der Analyse der Corona-Krise ist vorbildlich. Auf einen Politiker fallen drei oberste Verwaltungsbeamte und zwei Militärs. Als Presseorgan dienen die jeweils besten Fussballmannschaften.

Das fügt sich bestens in eine Zeit, die selbst die Begrüssungsformel verändert. Das Grüssen verrät auch etwas über den Zeitgeist: Von «Sieg Heil» über «Guten Tag» zu «bleiben Sie gesund» verdeutlicht die Rückkehr des Imperativs beim neuen «Hallöchen» auch eine Kultur der Radikalität.

Bevor unwiederbringlicher ökonomischer, gesellschaftlicher und politischer Schaden durch Panikmache und Hysterie eintritt, wäre es nicht verkehrt uns erst darauf zu besinnen, was Alber Camus 1947 in seinem Roman «Die Pest» empfahl: «Die einzige Art gegen die Pest zu kämpfen ist die Ehrlichkeit.»

https://www.nau.ch/news/schweiz/radu-golban-uber-die-wortfuhrer-in-corona-zeiten-65687323

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